Hans Leister weiß, wer am GSM-R Ausfall schuld war!

Als Mitarbeitender der DB Systel stockt einem schon der Atem, wenn man die aktuelle Ausgabe 08/2026 des „Eisenbahn-Kurier“ aufschlägt und dort gleich auf der dritten Seite einen „Kommentar“ liest von „Hans Leister, Zukunftswerkstatt Schienenverkehr“ unter dem Titel „Was dazugelernt nach der GSM-R Panne?“ Hans Leister: Das ist der, der als „Bahn-Experte“ auch in Reportagen zu S21 oder jüngst in einer umstrittenen ZDF-Doku „Am Puls – unsere Bahn“ mit Dunja Hayali zu Wort kam und dabei gern einige entscheidende Details zu erwähnen vergisst – aber das ist ein anderes Thema.

Leister stellt in seinem EK-Artikel noch einmal die Abfolge der Ereignisse vor, die am 23. Juni zu einem mehrstündigen Ausfall des GSM-R Netzes geführt haben mit der Folge, dass in ganz Deutschland der komplette Schienenverkehr eingestellt werden musste.

Er stellt -zutreffend- fest, dass das noch auf dem 2G Standard basierende GSM-R System, das 20 Jahre alt ist, noch immer essenziell für grenzüberschreitenden Zugverkehr ist und sich das auf 5G basierende FRMCS-System noch in der Entwicklung befindet. Er schreibt:
Planmäßige Software-Updates oder einen Komponententausch machen professionelle Unternehmen zu einer Tageszeit, wenn nie ganz auszuschließende Probleme am wenigsten Schaden anrichten. 22 Uhr ist beim Bahnverkehr dafür ungünstig: Um diese Zeit sind noch viele Fahrgäste unterwegs, Servicepersonale in Bahnhöfen aber nicht mehr verfügbar, Cafés geschlossen, Leitstellen der Busunternehmen unbesetzt, viele Taxifahrer bereits zuhause. […]

Aber dann:
Auch der Wechsel von Sommer- zu Winterzeit erfolgt um 2 Uhr früh – und nicht vier Stunden vorher. Hoffentlich etwas dazugelernt, liebe DB Systel-Fachleute! 

Keine Entschuldigung gibt es auch dafür, dass die DB vor zwei Jahren Digitalisierungsexperten gekündigt hatte, um den Schwerpunkt statt auf Digitalisierung auf die Generalsanierung von Gleisen mit herkömmlicher Technik zu legen. Seither hat DB InfraGO ein gespaltenes Verhältnis zur digitalen Zukunft: Sachverstand ging verloren, Doppelausrüstung und Provisorien kosten viel Geld, das nicht in die Zukunft investiert wird.“

Weiterhin bemüht er namentlich nicht benannte Fachleute, die der Meinung sind, ein komplett eigenes (und damit angreifbares) Funknetz der Bahn sei „keine gute Idee“: „Wenn man stattdessen alle verfügbaren 5G-Netze bedarfsweise nutzen könnte, wäre das von Vorteil und würde Blackouts auf der Schiene vermeiden. Die finnische Bahn geht diesen Weg und schickt die digitalen Botschaften über jeweils verfügbare Netze von den Stellwerken zu den Zügen und zurück, ganz ohne gesondertes Bahnfunknetz.“

Diese auch vom „Handelsblatt“ erhobene Behauptung, die DB Systel trage die Verantwortung für den GSM-R Ausfall und die -unsinnige- Forderung nach Mitnutzung des öffentlichen 5G-Netzes haben die EVG-Betriebsgruppen Berlin, Frankfurt und Erfurt am 28.07.2026 veranlasst, folgende Stellungnahme an die Redaktion des „EK“ zu übermitteln:


Sehr geehrter Herr Leister,

wir wenden uns an Sie als EVG-Betriebsgruppe der DB Systel Frankfurt im Namen der bei uns beschäftigten 4.700 Kolleginnen und Kollegen.

Vielen Ihrer Aussagen, die Sie in Ihrem Kommentar zum GSM-R Ausfall in der aktuellen Ausgabe 08/2026 des „Eisenbahn-Kurier“ tätigen, können wir uneingeschränkt zustimmen, so z.B. der kritischen Frage, warum derartige Updates um 22 Uhr durchgeführt werden und nicht in die Nacht verlagert werden können. Beeinträchtigt worden wäre der Zugverkehr allerdings auch zu nächtlicher Stunde, dann aber mehr der Güter- als der Personenverkehr. Auch Ihre Quintessenz, dass GSM-R zwar 20 Jahre alt ist, aber dennoch stabil läuft und den aktuellen Stand der Technik darstellt, teilen wir.

An vier Punkten widersprechen wir jedoch Ihrer Darstellung entschieden – möglicherweise haben Sie nach Ihrem Weggang aus dem DB-Konzern bestimmte Entwicklungen nicht mitverfolgen können:

  1.  Sie schreiben wörtlich: „Auch der Wechsel von Sommer- zu Winterzeit erfolgt um 2 Uhr früh – und nicht vier Stunden vorher. Hoffentlich etwas dazugelernt, liebe DB Systel-Fachleute!“ 
    Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit dürfte entgangen sein, dass sämtliche Betriebsführungsaufgaben am GSM-R-Netz seit sechs Jahren gar nicht mehr in der Verantwortung der DB Systel GmbH liegen. Weder am Tausch der für den Ausfall ursächlich verantwortlichen Komponente am Rechner für die HLR-Informationen noch für den darauf folgenden Ausfall trägt die DB Systel GmbH eine Verantwortung!
  2. Betriebskritische Changes werden bei der DB Systel GmbH immer nachts durchgeführt, unsere Fachleute benötigen von Ihnen insbesondere keine öffentlichen Belehrungen darüber, wann nächtens der Wechsel von Sommer- zu Winterzeit oder umgekehrt stattfindet.
  3. In Zeiten besonderer Großereignisse (z.B. Feierlichkeiten zum 3. Oktober, Kirchentag, Katholikentag), bei denen erhöhtes Reisendenaufkommen mit verstärkter medialer Aufmerksamkeit zusammenfällt, werden von DB Systel „Operationen am offenen Herzen des Schienenverkehrs“ weder initiiert noch durchgeführt, wenn diese nicht zwingend betriebsnotwendig sind. Auch ist eine Freigabe von Änderungen in diesen Zeiträumen besonders restriktiv reglementiert.
  4. Wir teilen Ihre Aussage nicht, dass die Aufgabe des GSM-R Netzes nach finnischem Beispiel ausschließlich unter Nutzung der öffentlichen  Mobilfunknetze einen Sicherheitsgewinn darstellen würde. 
    Angreifbar sind öffentliche Mobilfunknetze mindestens genauso wie das nur für den Bahnverkehr genutzte GSM-R. Nach unserer Kenntnis ist PGSM-R als Rückfallebene bereits jetzt im Einsatz – allerdings sind damit nicht alle Funktionen vollständig nutzbar, z.B. fehlen Gruppenruffunktionen wie „Betriebsgefahr“ oder ein Nothaltauftrag an mehrere Fahrzeuge gleichzeitig in einem bestimmten Gebiet. Solche Gruppenruf-Funktionen bieten öffentliche Mobilfunkbetreiber ebensowenig wie eine abgestufte Priorisierung von Gesprächen – zumindest nicht standardmässig.

Wir haben nichts dagegen, wenn Sie an gleicher Stelle zu den ersten drei Punkten eine entsprechende Klarstellung veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Erol Polat-von Meding Ricarda Schilling
Sprecher der EVG Betriebsgruppe stv. Sprecherin der EVG Betriebsgruppe


Darüber hinaus haben wir auch einen kurzen Leserbrief an die Redaktion des EK gesandt. Was aus unseren Bemühungen geworden ist, berichten wir natürlich hier.