Kundgebungen und Demonstration am Mittwoch, 25.02.2026 ab 09:30 Uhr vor dem Silberturm in Frankfurt, 09:30 Uhr Berlin Digital-Campus Kynaststr. 1, 11:00 Uhr Erfurt Weimarische Str. 82-84 (Bürohaus Spielbergtor)

Von „uns wird schon nichts passieren“ bis hin zu „es bleiben nur noch 200 Arbeitsplätze übrig“ reichen die natürlich unbestätigten Aussagen über die Zukunft der DB Systel. Aber der Vorwurf eines Geschäftsführers, es werde ja alles so „dramatisiert“ und die Aussage, es gebe „keine einzige VzP-Stelle weniger“ sind beide falsch, denn:
Im Hintergrund plant der Konzern munter weiter, getarnt ausgerechnet unter dem unsäglichen Titel „Transformation der DB Systel“. Demnach sollen nahezu alle IT-Aufgaben im Konzern „dezentralisiert“ und durch die einzelnen Geschäftsfelder selbst wahrgenommen werden. Gleichwohl fällt bei der DB Systel ein Dominostein nach dem anderen: Die Gesamtbetriebsvereinbarung Mobilitätsbüro (GBV MoBü), die GBV Selbstorganisation 1.1, die GBV Konfliktmanagement – die bislang gut funktionierenden maßgeschneiderten Regelungen für die DB Systel wurden kurzfristig gekündigt oder, obwohl endverhandelt, gar nicht erst unterschrieben mit dem Hinweis auf „den Konzernstandard“. Dezentralisierung durch Zentralisierung?
Zu allen aktuellen Problemen, die die Bahn hat, schafft sich die Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla damit noch ein weiteres, vollkommen überflüssiges Problem: Jedes Geschäftsfeld wird künftig selbst über die eingesetzte IT entscheiden können – womöglich inklusive eigener Definitionen von Security- und Softwarestandards. Nicht erst seitdem 2017 der Virus „WannaCry“ zugeschlagen hat – die Botschaft der Erpresser war auf jeder Bahnhofstafel zu lesen -, wissen wir, wie wichtig eine zentral organisierte, zeitnahe Verteilung von Sicherheitspatches ist.
Die bislang vielgepriesene „IT aus einer Hand“ ist damit hinfällig. Leidtragende wären neben unseren Kolleg:innen letztlich die Fahrgäste. Vor allem die Fahrgäste privater Bahngesellschaften können jetzt schon ein Lied davon singen: Ausbleibende, zeitlich stark verspätete oder widersprüchliche Anzeigen am Bahnsteig bzw. im DB Navigator, wenn sich kurzfristige Fahrplanänderungen oder Zugausfälle ergeben. Das verwundert nicht, denn die Echtzeit-Daten müssen über sehr viele Schnittstellen transportiert werden – und jede zusätzliche Schnittstelle birgt ein Fehlerrisiko. Soll so der Standard der Zukunft aussehen?
Und die Aussagen der Politik passen einfach nicht zum Handlungsstil. Wie soll denn die Digitalisierung, die aus dem Verkehrsministerium mantrahaft wiederholt wird, erfolgreich umgesetzt werden, wenn die DB Systel als operative Umsetzerin dieser Digitalisierung „gerupft“ wird und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden soll?
Die „Digitale Selbstständigkeit“, also die kurzfristige Auflösung der Abhängigkeiten von US-Tech-Konzernen, wird mit der Filetierung de facto konterkariert: Kleine IT-Abteilungen in den DB-Geschäftsfeldern werden einen eigenständigen Wechsel weg von Produkten von Amazon, Google, Microsoft überhaupt nicht oder nur sehr schwer realisieren können. So bleiben die Geschäftsprozesse und die Daten der DB, letztlich auch das Funktionieren der DB, abhängig von der Willkür der amerikanischen Regierung.
Das profunde Fachwissen, das bei der DB Systel GmbH vorhanden ist, wird durch den Fleischwolf gedreht und an die Konzerngesellschaften verfüttert oder soll gleich ganz outgesourced werden. Dies ist das Gegenteil von Standardisierung und bedeutet, dass im Konzern unnötige Arbeitsmehrungen und Redundanzen geschaffen werden. Kosteneinsparungen durch die „Filetierung“ der DB Systel GmbH können so sicherlich nicht realisiert werden.
Der Gesamtbetriebsrat der DB Systel GmbH hatte sich bereits im August 2025 in einem offenen Brief an Verkehrsminister Schnieder gewandt. Eine Antwort hielt man im Ministerium bis heute nicht für notwendig.
Daher ist jetzt die Zeit, Flagge zu zeigen: Mit uns nicht! Jedenfalls nicht so!
Um öffentlich unseren Unmut und auch unsere Betroffenheit zu zeigen über diese Geisterfahrt, rufen wir alle Beschäftigten der DB Systel auf zu einer Kundgebung und einem Demonstrationszug am Mittwoch, dem 25. Februar 2026 um 09:30 Uhr auf dem Jürgen-Ponto-Platz vor dem Silberturm.
Auch in Berlin wird zeitgleich demonstriert: Ab 09:30 Uhr vor dem Digital-Campus Berlin, Kynaststr. 1 (Nähe S Ostkreuz)
In Erfurt findet eine Demonstration ab 11:00 Uhr statt hinter dem Bürohaus Spielbergtor (Erfurt, Weimarische Str. 82-84) – ab 12:00 Uhr wird dort der Grill angeworfen.
Jetzt mitmachen, denn genau jetzt werden die Weichen gestellt!
Vereint zeigen wir nach außen, was wir von solchen Überlegungen halten… daher komm auch du und schließe dich an!
Und natürlich dürft ihr auch entsprechende Transparente vorbereiten und zur Kundgebung und Demonstration mitbringen.

Uns haben einige Solidaritätsadressen erreicht:
1.) Unterstützung der EVG Betriebsgruppe DB Konzernleitung:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die aktuellen Entwicklungen in der DB AG Konzernleitung sorgen in vielen Bereichen für wachsendes Unbehagen und Verunsicherung. In den vergangenen Wochen wurde öffentlich durch den Konzernvorstand über „Verschlankung“, „Personalabbau“ und „Umbau“ gesprochen – doch konkrete Maßnahmen und transparente Informationen bleiben bislang aus. Gerade deshalb melden sich immer mehr Beschäftigte mit ihren Sorgen auch bei uns. Seitens des Konzernvorstands stoßen diese Anliegen dabei auf ausweichende Antworten, wenn es sie denn geben sollte. Konkrete und nachvollziehbare Erklärungen, wie es für uns weitergeht, sind nicht erkennbar.
Dabei ist es gerade die Belegschaft, die sich in den letzten knapp zwei Jahren solidarisch hinter bereits umgesetzte „Effizienzmaßnahmen“ gestellt hat – auch wenn diese oft mit schmerzhaften Einschnitten verbunden waren. Für die Bereitschaft und die gelebte Flexibilität unseren Beitrag zur Weiterentwicklung des Konzerns zu leisten, gab es bislang wenig Anerkennung oder Wertschätzung von der Konzernspitze. Stattdessen herrscht ein Kommunikationsstil vor, der Unsicherheit und Frust noch verstärkt. Diesen Umgang lehnen wir entschieden ab!
Unser Wahlbetrieb ist mit dieser Situation nicht alleine: Auch in anderen Bereichen der DB AG wächst die Angst um den Fortbestand der eigenen Arbeitsplätze. Besonders betroffen sind aktuell unsere Kolleginnen und Kollegen von DB Systel, deren Geschäftsfeld sogar in seinem Fortbestand bedroht ist. Als Betriebsgruppe erklären wir uns solidarisch.
Wir rufen Euch alle dazu auf, ein Zeichen zu setzen:
Kommt zur Kundgebung und Demonstration am Mittwoch, den 25.02.2026, ab 9.30 Uhr, vor dem Silberturm in Frankfurt, gegen die drohende Zerschlagung der DB Systel!
Zeigen wir gemeinsam Gesicht – für Transparenz, Wertschätzung und sichere Arbeitsplätze.
Eure Betriebsgruppe der DB AG Konzernleitung
2.) EVG Landesvorstand Hessen, Beschluss vom 05.02.2026:
Der EVG Landesverband Hessen erklärt sich solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen der DB Systel.
Unter dem Deckmantel einer angeblichen „Transformation“ plant der Arbeitgeber den Abbau von Arbeitsplätzen, die Schwächung bewährter Strukturen und die Abwertung der digitalen Kompetenzen der Beschäftigten.
Das ist kein zukunftsfähiger Wandel, sondern ein Angriff auf gute Arbeit und auf die Menschen, die den digitalen Betrieb der Deutschen Bahn tagtäglich sicherstellen.
DB Systel steht für hochqualifizierte IT-Arbeit, für Innovation und für engagierte Beschäftigte.
Wer Digitalisierung kleinredet, Know-how abbaut und Stellen streicht, gefährdet nicht nur Existenzen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des gesamten Konzerns.
Als EVG Hessen stellen wir klar:
Transformation darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden.
Digitalisierung braucht die Menschen, die sie gestalten – nicht ihren Abbau.
Mitbestimmung, Qualifizierung und Beschäftigungssicherung sind unverzichtbar.
Der heutige Aktionstag und die Demonstration senden ein deutliches Signal: Wir lassen uns den Stellenabbau und die Entwertung unserer Arbeit nicht als „Modernisierung“ verkaufen. Wir stehen an der Seite der Kolleg*innen der DB Systel in ihrem Einsatz für sichere Arbeitsplätze, faire Arbeitsbedingungen und eine sozial verantwortliche Transformation.
Unsere Solidarität gilt allen Beschäftigten, die sich wehren – heute und in Zukunft.
Gemeinsam sind wir stark.
3) EVG Fraktion des Gesamtbetriebsrats DB Regio Schiene/Bus (Sitzung vom 04.02.2026):
SOLIDARITÄT MIT DB SYSTEL: SCHUTZ DER KRITISCHEN BAHNINFRASTRUKTUR MUSS GEMEINSAME, DAUERHAFTE AUFGABE BLEIBEN.
> Die Deutsche Bahn rückt, als eine der wichtigsten kritischen Infrastrukturen Deutschlands, zunehmend ins Visier von Cyberangriffen. Ein Ausfall oder eine Beeinträchtigung der Bahninfrastruktur hätte gravierende und anhaltende Auswirkungen – nicht nur auf die Versorgungssicherheit, sondern auch auf die öffentliche Ordnung und unser tägliches Leben. Deshalb steht für uns als EVG-Fraktion fest: Die Sicherheit unserer Infrastruktur muss höchste Priorität haben.
> Sicherheit verstehen wir dabei nicht als einmal erreichten Zustand, sondern als
ständige Aufgabe, die wir gemeinsam mit den Beschäftigten, den Unternehmen
und den politischen Entscheidern immer weiter entwickeln müssen. Gerade
in einer immer komplexeren und digitalisierten Welt ist es entscheidend, dass
wir präventiv handeln.
> DB Systel steht dabei stellvertretend für alle Beschäftigten, die täglich dafür
sorgen, dass unser Bahn-System sicher, zuverlässig und zukunftsfähig bleibt.
> Wir fordern, dass der Schutz der kritischen Bahninfrastruktur als gemeinsame,
dauerhafte Aufgabe aller Beteiligten verstanden und entschlossen vorangetrieben wird – im Sinne der Beschäftigten, aller Reisenden und der gesamten Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund unterstützen wir unsere Kolleg:innen der DB Systel in ihrem Kampf gegen die Zerschlagung ihres Unternehmens – im Besonderen bei ihren Kundgebungen am 25.02.2026 in Frankfurt am Main und anderen Standorten.
So sind die Pressemeldungen:
- MDR vom 18.02.2026: Deutsche Bahn: Gewerkschaft warnt vor massivem Arbeitsplatz-Abbau in Erfurt | MDR.DE
- Thüringer Allgemeine vom 18.02.2026: Bahnmitarbeiter bangen um ihre Jobs: Bis zu 500 Stellen in Erfurt auf der Kippe
- Thüringer Landeszeitung vom 19.02.2026: https://pressreader.com/article/281487872813070
- Heise Verlag: 4000 Stellen in Gefahr: Droht Bahn-IT-Tochter DB Systel die Zerschlagung? | heise online
- IT-daily vom 20.02.2026: 500 Jobs bei Bahn-IT-Tochter DB Systel auf der Kippe
- Lok-Report: LOK Report – EVG: DB Systel als zentraler IT-Dienstleister soll „ausgeweidet“ werden

